Im Einheits-Dampflokprogramm der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) war auch eine dreiachsige Baureihe für den schweren Rangierdienst vorgesehen. Für diese Baureihe schrieb die DRG eine maximale Achslast von 17,5 t vor, die bei der Abnahme dank einiger Kniffe nur leicht auf 18,1 t überschritten wurde. Diese nutzten die Möglichkeiten der Gleisnetze in Rangierbahnhöfen und Industriegebieten in der Nähe von Großstädten optimal aus. Im Gegensatz zu den zahlreichen, meist größeren Lokomotiven aus der Länderbahnzeit war die Baureihe 80 leistungsstärker und zugleich sparsamer. Wegen ihres imposanten Kessels erhielten die Dreikuppler den Spitznamen „Bulli“. Trotz der unbestreitbaren Vorteile der modernen Konstruktion blieb es bei der DRG aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Lage bei den 39 Exemplaren, die 1928 und 1929 beschafft worden waren. Meist auf Personenbahnhöfen flitzten die Loks mit der maximal zulässigen Geschwindigkeit von 45 km/h über die Gleise. Bis 1966 waren die zuverlässigen Lokomotiven aus den Rangierbahnhöfen der beiden deutschen Staatsbahnen verschwunden. V60-Lokomotiven beider Bauarten lieferten eine vergleichbare Zugkraft, waren aber durch die höhere Höchstgeschwindigkeit noch vielseitiger einsetzbar. Mit einem Alter von noch nicht einmal 40 Jahren gehörten die 80er jedoch noch nicht zum alten Eisen. Beide Staatsbahnen setzten die „Bullis“ in Ausbesserungswerken ein oder verkauften sie an Industriebetriebe oder Zechen, die dankbar auf die bewährten Lokomotiven zurückgriffen. So arbeiteten zum Beispiel eine Handvoll 80er in Zechen im Ruhrgebiet. Dort wurden sie sogar für werksinterne Personenzüge eingesetzt. Die letzten betriebsfähigen Bullis waren die 80 036 und 80 039 der Museumseisenbahn Hamm, die an die Veluwsche Stoomtrein Maatschappij (VSM) in den Niederlanden abgegeben wurden. Einen besonderen Status genießt die 80 009 der Deutschen Reichsbahn, die als einzige Staatsbahnlokomotive zu DDR-Zeiten an eine Privatperson verkauft wurde. Der Lokführer Klaus Hollenbach erwarb die Lok 1981 mit viel Mühe, überführte sie aus eigener Kraft und baute auf seinem Privatgrundstück einen Lokschuppen sowie ein kurzes „Anschlussgleis“ für seine 80 009, die 1982 mit zwei Autokranen auf die Schienen gehoben wurde.